Gesellschaft und Religion: Die Kunst zusammenzuleben
Weltoffen, modern und tolerant – so stellt sich heute die deutsche Gesellschaft dar. In den letzten Jahrzehnten sind die Formen des Zusammenlebens offener geworden: Sei es das Rollenverständnis von Mann und Frau oder das Zusammenleben mit Menschen anderer Staaten und Kulturen. Sicherlich - in den letzen Monaten ist der Traum einer multikulturellen Gesellschaft geplatzt. Und immer noch kopfschüttelnd versuchen wir uns zu orientieren, suchen nach einem neuen Leitbild, suchen nach Differenzierung und Integration.
Gesellschaften fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht gottgewollte Realitäten, sondern stehen auf einem gewachsenen historischen Boden. Wie Sedimentschichten vergangener Zeitalter sich auf einander schichten und das Fundament für die Gegenwart bilden sind auch die Grundlagen unseres Zusammenlebens Ergebnis langer Prozesse. Vieles wurde versucht, vieles wurde gelebt und verschwand im Laufe der Zeit und nur das, was heute ist, hat sich bis hierhin bewähren und bewahren können. Und wie sich dies in der Zukunft gestalten und erhalten wird liegt in unseren Händen, wird der Ausdruck unseres Verantwortungsbewusstseins sein. Wir bestimmen heute über das morgen.
Dabei hat freiwilliges, gemeinwohlorientiertes, nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtetes Engagement in Deutschland eine lange Tradition. Es findet in allen Bereichen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Lebens statt, ist geprägt durch Vielfalt und Fantasie und stärkt seit jeher die Bindekräfte innerhalb der Gesellschaft. Rund 35% der Bundesbürger engagiert sich in unterschiedlichen gemeinnützigen Organisationen, sei es in Krankenhäuser, Altenheime, Museen und andere Einrichtungen. Und bei aller Politikverdrossenheit - nur wenige Länder in der Welt können seit 1989 (was soll diese jahrzahl bedeutet? wiedervereinigung? das war gorbatschow und da waren ungarn viel wichtiger!) auf eine derart erfolgreiche Beeinflussung der Politik verweisen wie wir.
Vieles wurde erkämpft - nun gilt es zu bewahren. Dafür, dass wir einen Reisepass beantragen können, um jedes Land der Welt zu bereisen, dass wir unseren Wohnort und unseren Beruf frei wählen können, dafür dass wir glauben können, was immer wir glauben wollen. Dafür dass wir bei Wahlen frei und ohne Druck unsere Stimme abgeben können, egal welchem Geschlecht oder welcher Einkommensgruppe wir angehören. Dafür dass wir gegen staatliches Handeln klagen können und sogar Aussicht auf Erfolg besteht. Dafür dass wir nicht Hunger leiden werden, wenn das Leben uns allzu schlecht mitspielt.
Wenn wir über Kultur reden, meinen wir die - oft auch unausgesprochenen - Übereinstimmungen zwischen Menschen. Den identitätsstiftenden Konsens, der den Rahmen absteckt, innerhalb dessen wir unser Leben gestalten, unsere Ansichten entwickeln und unsere Meinungen äußern. Kultur ist die Antwort auf die wesentlichen Fragen über Art und Weise des Zusammenlebens in einer Gesellschaft. Eine Gesellschaft wird durch den Konsens in diesen Antworten zusammengehalten. Sie verändert sich in demselben Maß, in dem sich die Antworten der Individuen auf diese Fragen ändern. Eine Gesellschaft ist der Ausdruck der Qualität von diesem Konsens. Also wird auch die Lebensqualität innerhalb des Netzwerkes Gesellschaft, innerhalb der Gemeinschaft der zusammen Lebenden, definiert durch diese Übereinstimmungen.
Ein Beispiel für die weitgehende Einigkeit in unserem Kulturkreis hinsichtlich bestimmter Dinge und Sichtweisen ist der Stellenwert des bei uns als „bestem Freund des Menschen“ bezeichneten Hundes. Nie würden wir einen Hund als Rohstofflieferant und wirtschaftliches Nutztier betrachten. Wir würden sein Fleisch nicht verzehren, sondern selbst in der Not noch teilen. Rinder hingegen tauchen in unserem Verständnis als so selbstverständliche Nutztiere auf, das viele aus unserem Kulturkreis völlig verwirt sind, dass diese Tiere in Indien als heilig verehrt werden und selbst in Notlagen nicht zur Ernährung von Menschen dienen. Betrachten wir allerdings die Hingabe und Qualität der Hundehaltung bei uns, könnte man ebenso behaupten, dass Hunde bei uns wie heilige Tiere gehalten werden.
Das Unbehagen, der Widerwillen oder gar die Abscheu beim Gedanken an das Verzehren von Hunden entspringt unserer kulturellen Prägung. Es ist ein Beispiel, das wir sehr konfliktfrei durchdenken können, da wir hier nicht an die Grenzen der politischen Korrektheit stoßen.
Anders wäre dies, wenn eine große Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft in einer Weise kulturell geprägt wäre, die den Verzehr von Hunden als vertretbar, angemessen oder gar als Ausdruck ihrer Freiheit erlebt. Die konfliktfreie Koexistenz dieser beiden Gruppen, die wir als „Hundehalter/Kuhesser“ und „Hundeesser/Kuhverehrer“ beschreiben wollen, ist schon recht schwer vorstellbar. Richtig brisant wäre dieses Beispiel allerdings in einem Szenario, bei dem wir nicht in dem gewohnten Überfluss leben, sondern eine gemeinsame Antwort auf eine Notlage bei der Versorgung der Bevölkerung geben müssten.
Vor diesem Hintergrund möchten wir einige kritische Blicke auf unsere Gesellschaft und das Konzept der „multikulturellen Gesellschaft“ werfen. Wenn wir das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte als staatsstiftenden Ausdruck unserer kulturellen Grundwerte erachten, ist dann das Konzept der „vielkulturellen“ Gesellschaft mit Menschen umsetzbar, deren kulturellen Grundwerte mit den unsrigen nicht oder nur zum Teil vereinbar sind?
Als wesentlich erachten wir hier:
• die Trennung von Staat und Kirche und der nur so möglichen Glaubens- und Nichtglaubensfreiheit,
• das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit,
• die Gleichberechtigung von Frau und Mann,
• das Recht auf freie Meinung und Meinungsäußerung,
• das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.
Können wir also eine multikulturelle Gesellschaft haben, wenn nicht zwischen allen Gruppen ein Konsens über diese wesentlichen Grundlagen besteht? Müssen wir, wenn wir eine multikulturelle Gesellschaft wollen, nicht zuvor auf einen solchen Konsens bestehen? Kann oder soll es eine Koexistenz mit Gruppen geben, die nicht bereit ist, die vorgefundenen Werte uneingeschränkt zu teilen? Kann eine solche Koexistenz dauerhaft friedlich bleiben? Wenn eine solche Koexistenz absehbar zu Konflikten oder gar Verdrängungen führt, hat die ursprüngliche Gruppe das Recht, auf Integration zu bestehen? Welche Rechte hat eine Gesellschaft mit dem Anspruch auf Toleranz und Koexistenz gegenüber Kulturen und Bevölkerungsgruppen, die nicht zur Integration bereit sind?
Gesellschaften fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht gottgewollte Realitäten, sondern stehen auf einem gewachsenen historischen Boden. Wie Sedimentschichten vergangener Zeitalter sich auf einander schichten und das Fundament für die Gegenwart bilden sind auch die Grundlagen unseres Zusammenlebens Ergebnis langer Prozesse. Vieles wurde versucht, vieles wurde gelebt und verschwand im Laufe der Zeit und nur das, was heute ist, hat sich bis hierhin bewähren und bewahren können. Und wie sich dies in der Zukunft gestalten und erhalten wird liegt in unseren Händen, wird der Ausdruck unseres Verantwortungsbewusstseins sein. Wir bestimmen heute über das morgen.
Dabei hat freiwilliges, gemeinwohlorientiertes, nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtetes Engagement in Deutschland eine lange Tradition. Es findet in allen Bereichen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Lebens statt, ist geprägt durch Vielfalt und Fantasie und stärkt seit jeher die Bindekräfte innerhalb der Gesellschaft. Rund 35% der Bundesbürger engagiert sich in unterschiedlichen gemeinnützigen Organisationen, sei es in Krankenhäuser, Altenheime, Museen und andere Einrichtungen. Und bei aller Politikverdrossenheit - nur wenige Länder in der Welt können seit 1989 (was soll diese jahrzahl bedeutet? wiedervereinigung? das war gorbatschow und da waren ungarn viel wichtiger!) auf eine derart erfolgreiche Beeinflussung der Politik verweisen wie wir.
Vieles wurde erkämpft - nun gilt es zu bewahren. Dafür, dass wir einen Reisepass beantragen können, um jedes Land der Welt zu bereisen, dass wir unseren Wohnort und unseren Beruf frei wählen können, dafür dass wir glauben können, was immer wir glauben wollen. Dafür dass wir bei Wahlen frei und ohne Druck unsere Stimme abgeben können, egal welchem Geschlecht oder welcher Einkommensgruppe wir angehören. Dafür dass wir gegen staatliches Handeln klagen können und sogar Aussicht auf Erfolg besteht. Dafür dass wir nicht Hunger leiden werden, wenn das Leben uns allzu schlecht mitspielt.
Wenn wir über Kultur reden, meinen wir die - oft auch unausgesprochenen - Übereinstimmungen zwischen Menschen. Den identitätsstiftenden Konsens, der den Rahmen absteckt, innerhalb dessen wir unser Leben gestalten, unsere Ansichten entwickeln und unsere Meinungen äußern. Kultur ist die Antwort auf die wesentlichen Fragen über Art und Weise des Zusammenlebens in einer Gesellschaft. Eine Gesellschaft wird durch den Konsens in diesen Antworten zusammengehalten. Sie verändert sich in demselben Maß, in dem sich die Antworten der Individuen auf diese Fragen ändern. Eine Gesellschaft ist der Ausdruck der Qualität von diesem Konsens. Also wird auch die Lebensqualität innerhalb des Netzwerkes Gesellschaft, innerhalb der Gemeinschaft der zusammen Lebenden, definiert durch diese Übereinstimmungen.
Ein Beispiel für die weitgehende Einigkeit in unserem Kulturkreis hinsichtlich bestimmter Dinge und Sichtweisen ist der Stellenwert des bei uns als „bestem Freund des Menschen“ bezeichneten Hundes. Nie würden wir einen Hund als Rohstofflieferant und wirtschaftliches Nutztier betrachten. Wir würden sein Fleisch nicht verzehren, sondern selbst in der Not noch teilen. Rinder hingegen tauchen in unserem Verständnis als so selbstverständliche Nutztiere auf, das viele aus unserem Kulturkreis völlig verwirt sind, dass diese Tiere in Indien als heilig verehrt werden und selbst in Notlagen nicht zur Ernährung von Menschen dienen. Betrachten wir allerdings die Hingabe und Qualität der Hundehaltung bei uns, könnte man ebenso behaupten, dass Hunde bei uns wie heilige Tiere gehalten werden.
Das Unbehagen, der Widerwillen oder gar die Abscheu beim Gedanken an das Verzehren von Hunden entspringt unserer kulturellen Prägung. Es ist ein Beispiel, das wir sehr konfliktfrei durchdenken können, da wir hier nicht an die Grenzen der politischen Korrektheit stoßen.
Anders wäre dies, wenn eine große Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft in einer Weise kulturell geprägt wäre, die den Verzehr von Hunden als vertretbar, angemessen oder gar als Ausdruck ihrer Freiheit erlebt. Die konfliktfreie Koexistenz dieser beiden Gruppen, die wir als „Hundehalter/Kuhesser“ und „Hundeesser/Kuhverehrer“ beschreiben wollen, ist schon recht schwer vorstellbar. Richtig brisant wäre dieses Beispiel allerdings in einem Szenario, bei dem wir nicht in dem gewohnten Überfluss leben, sondern eine gemeinsame Antwort auf eine Notlage bei der Versorgung der Bevölkerung geben müssten.
Vor diesem Hintergrund möchten wir einige kritische Blicke auf unsere Gesellschaft und das Konzept der „multikulturellen Gesellschaft“ werfen. Wenn wir das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte als staatsstiftenden Ausdruck unserer kulturellen Grundwerte erachten, ist dann das Konzept der „vielkulturellen“ Gesellschaft mit Menschen umsetzbar, deren kulturellen Grundwerte mit den unsrigen nicht oder nur zum Teil vereinbar sind?
Als wesentlich erachten wir hier:
• die Trennung von Staat und Kirche und der nur so möglichen Glaubens- und Nichtglaubensfreiheit,
• das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit,
• die Gleichberechtigung von Frau und Mann,
• das Recht auf freie Meinung und Meinungsäußerung,
• das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.
Können wir also eine multikulturelle Gesellschaft haben, wenn nicht zwischen allen Gruppen ein Konsens über diese wesentlichen Grundlagen besteht? Müssen wir, wenn wir eine multikulturelle Gesellschaft wollen, nicht zuvor auf einen solchen Konsens bestehen? Kann oder soll es eine Koexistenz mit Gruppen geben, die nicht bereit ist, die vorgefundenen Werte uneingeschränkt zu teilen? Kann eine solche Koexistenz dauerhaft friedlich bleiben? Wenn eine solche Koexistenz absehbar zu Konflikten oder gar Verdrängungen führt, hat die ursprüngliche Gruppe das Recht, auf Integration zu bestehen? Welche Rechte hat eine Gesellschaft mit dem Anspruch auf Toleranz und Koexistenz gegenüber Kulturen und Bevölkerungsgruppen, die nicht zur Integration bereit sind?

