Währungspolitischer Staatsstreich

Monday, May 17. 2010
Die meisten Bewohner von Euroland haben es möglicherweise nicht gleich bemerkt, aber in der Nacht von Sonntag auf Montag dieser Woche haben die europäischen Regierungschefs und Finanzminister nichts Geringeres als eine waschechte Währungsreform beschlossen und durchgeführt. Auch wenn ein grasgrüner Hunderter am Montag genauso aussah wie in der Woche davor: Es war plötzlich anderes Geld. Die Währung, mit der wir seit diesem Wochenende bezahlen, ist nicht die gleiche wie zuvor.
Denn jener Euro, den wir bisher verwendet haben, war ja bekanntlich eine Art guter alter D-Mark in neuem Design: hart, wertbeständig und vor allem von einer politisch völlig unabhängigen Zentralbank gelenkt, die sich keinen Deut um die Schuldengebirge der Politik scherte.

Damit ist jetzt Schluss: Indem die EZB am Wochenende dem politischen Druck der Regierungschefs nachgab und den Ankauf von Staatsanleihen der Pleitekandidaten begann – was ihr Chef Trichet noch Tage zuvor ausgeschlossen hatte –, unterwarf sie sich dem Primat der schuldensüchtigen Politiker der Eurozone. [...]

Denn damit wird die Eurozone natürlich früher oder später zu einer inflationsanfälligen Weichwährungszone. Wer sich noch erinnern kann, wie wenig werthaltig sich Lirenoten, Drachmen oder gar Ostblockgeld angefühlt hat, weiß, wie solide der Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein paar Jahren daherkommen wird.
Bemerkenswert ist übrigens auch die verhaltensoriginelle Art und Weise, wie diese Währungsreform zustande kam: nämlich ohne dass ein einziger Volksvertreter dem vorerst zugestimmt hat; im Grunde also ein währungspolitischer Putsch. [...]

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Insgeheime Vorbereitung auf Inflation?

Saturday, May 15. 2010
Bereiten sich Euroländer mit ihren Sparplänen insgeheim nach dem Tabubruch der Zentralbank auf eine steigende Inflation vor? Man fragt sich, warum zum Beispiel die spanische Regierung für einen zweifelhaften Sparplan die stabile politische Lage im Land opfert, einen Generalstreik riskiert und damit sogar ihren möglichen Sturz. Liegt das vielleicht auch daran, dass mit dem Rettungsnetz, das zur Stützung des Euro am vergangenen Wochenende mit bis zu 860 Milliarden aufgespannt wurde, nun auch die EU-Kommission eine steigende Inflation befürchtet?. Denn die flankierenden Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), die nun sogar Staatsanleihen ankauft, stellen einen Tabubruch dar, weil damit quasi die Notenpresse angeworfen wird (Historischer Wendepunkt in der Geldpolitik der EU). Damit wird der Inflation Vorschub geleistet und einige könnten darin eine Möglichkeit sehen, sich eines Teils der riesigen Schulden zu entledigen, die viele Staaten inzwischen angehäuft haben.

Mit der Entscheidung vom Montag, nun auch Staatsanleihen ankaufen zu wollen, hat sich die EZB nun definitiv auf den Weg gemacht, den die US-Notenbank (FED) und die Bank of England (BoE) in Großbritannien schon gebahnt hatten. Die Financial Times Deutschland titelte: “EZB kopiert Hemmungslosigkeit der FED”. [...]

Schaut man in die USA, sind nach den deflationären Tendenzen im letzten Jahr längst inflationäre Tendenzen feststellbar. Inzwischen liegt die Teuerung schon bei 2,3%. Noch deutlicher ist der Trend in Großbritannien, wo das US-Vorbild kopiert wurde und die Teuerung schon auf 3,4% angestiegen ist. [...]

Es mehren sich ohnehin die Stimmen, die den Kollaps der Euro-Zone befürchten. “Die Euro-Zone steht vor dem Problem der Auflösung”, sagte der Ex-Chef der US-Notenbank Paul Volcker.. Und er steht mit der Ansicht nicht allein. Seit längerem warnt der renommierte New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone. [...]

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Der Euro wird zur weichen Währung

Wednesday, May 12. 2010
Europa hat die Wahl zwischen einer instabilen Währungsunion und einem Bundesstaat, sagt Finanzhistoriker Ferguson. Im Interview fordert er eine solide Haushaltspolitik. [...]

Frage: Steht der Euro also langfristig vor dem Aus?

Ferguson: Griechenland wird irgendwann pleite gehen. Portugal und Spanien könnten sich anstecken. Europa kann nicht alle diese Staaten retten. Es sieht also düster aus für den Euro.

Frage: Welche historischen Parallelen sehen sie zur aktuellen Euro-Krise?

Ferguson: Die Finanzkrise ist die Geschichte übermäßiger Verschuldung. Erst bei den Haushalten, dann bei den Banken und jetzt bei den Staaten. Ich habe Anfang 2008 die großen Investmentbanken danach geordnet, wie hoch sie mit Kreditrisiken behaftet waren. Die Reihenfolge begann mit Bear Stearns und endete mit Goldman Sachs. Diese Woche habe ich eine Liste von Staaten gemacht, geordnet nach ihren Schuldenrisiken. An erster Stelle kommt Japan, gefolgt von Großbritannien, Griechenland, Spanien, Irland, den USA, Portugal. Auch hier gibt es den Ansteckungseffekt. Die Lage Großbritanniens ist in vielerlei Hinsicht nicht besser als die der südeuropäischen Länder. Jetzt soll auch noch eine Koalition ein Haushaltsdefizit von elf Prozent abbauen. Gott weiß, wie das gehen soll.

Frage: Und was ist mit den USA?

Ferguson: Wann sich die Märkte gegen Amerika richten, ist schwer vorauszusagen. Die finanzielle Situation der USA ist unhaltbar. Im Jahr 2040 wird das Land seine gesamten Steuereinnahmen für den Schuldendienst einsetzen müssen. Das ist unmöglich. [...]

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Deutschland und Frankreich könnten AAA-Rating verlieren

Tuesday, May 11. 2010
Angela Merkel hat vor der legendären Entscheidung der Europäer, die Maastricht-Kriterien zu brechen, telefonisch die Weisung aus Washington bekommen, dafür zu sorgen, dass die Europäer ein gigantisches Rettungspaket beschließen müssten. Die New York Times hat jetzt die Einzelheiten des Gesprächs enthüllt. Merkel und ihre Freunde haben dann in Windeseile ein Schneeball-System aufgebaut – ein Ponzi-Schema. Die Analysten haben das schnell erkannt. Und das Ponzi-Schema ist keinen Pfifferling mehr wert. Der Goldpreis stieg deshalb auf seinen absoluten Höchststand, weil die Anleger jetzt nur noch nach Sicherheit suchen. Und die ersten Analysten prognostizieren, dass Frankreich und Deutschland bald schon ihr AAA-Rating verlieren werden. [...]

Angela Merkel schimpft derweilen auf die angeblich so bösen »Spekulanten«, die das alles verschuldet haben. Sie verschweigt dabei, dass es deutsche Politiker waren, die diese Spekulationen angeheizt haben. Ein Beispiel: Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat 300 Millionen Euro Pensionsrücklagen für seine Beamte in riskante griechische Staatsanleihen gesteckt. Und wer haftet für diese Spekulation deutscher Politiker? Sie – die Steuerzahler! Der Bund steht dafür gerade. [...]

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Börsen-Experte sieht konzertierten Angriff auf Euro

Sunday, May 9. 2010
Dirk Müller ist für viele Fernsehzuschauer das Gesicht der Deutschen Börse, der “Mr. Dax”. Der Börsenmakler vermutet keinen Tippfehler als Ursache für den Crash an der Wall Street. Er geht von einem konzertierten Angriff auf den Euro aus und glaubt auch keineswegs an einen Zufall. [...]

Müller: Aus dem angelsächsischen Raum heraus finden zurzeit konzertierte Angriffe auf den Euro statt, die die Investoren verunsichern sollen. US-Banken unterminieren mit Gerüchten um die Zahlungsfähigkeit Spaniens und einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone das Vertrauen, und die Ratingagentur Standard and Poor’s stuft Griechenland-Anleihen genau dann auf „Ramsch“ herab, als das Rettungspaket eigentlich schon auf dem Weg ist.

Welt am Sonntag: Das Rating ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Lage Griechenlands.
Müller: S & P gehört zum Mac-Graw-Hill-Konzern. Und dessen Vorstands-Chef Harold Mac Graw III war Berater des früheren Präsidenten George W. Bush. Ich behaupte: Bei S & P passiert nichts, ohne dass es nicht mit Washington abgestimmt wäre. [...]

Müller: Ich fürchte, wir haben erst den Anfang einer langen und dramatischen Abwärtsbewegung gesehen. Wenn es ganz schlimm kommt, haben wir bald Lehman 2.0. Und damals ging es nur um eine Bank, diesmal um ganze Staaten. [...]

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Frank Schäffler, FDP: Warum ich dem Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz nicht zustimme

Friday, May 7. 2010
Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen,

bevor wir hier über einen so wichtigen Gesetzentwurf abstimmen, mache ich von meinem Recht Gebrauch, mein Abstimmungsverhalten zu begründen:

Das gemeinsame Europa hat gemeinsame Ziele, die durch gemeinsame Regeln erreicht werden sollen. Diese Regeln sollten für alle gleich sein. Sonderrechte zerstören die europäische Idee.
Die Stabilität des Euros ist eine tragende Säule unserer marktwirtschaftlichen Ordnung. Die Solidarität bewährt sich in der Solidität der Mitgliedsländer des Euro-Raumes. Deshalb ist nicht der unsolidarisch, der Sonderrechte verweigert, sondern der, der zu Lasten anderer Regeln dauerhaft verletzt hat und damit den Euro insgesamt in Gefahr bringt.

Rechtliche Bewertung
Die Vereinbarungen vom 11. Februar, 25. März und 11. April 2010 der Staats- und Regierungschefs und der Finanzminister des Euro-Raumes zerstören diese Solidarität und brechen die gemeinsamen Regeln.
Nach Artikel 125 AEUV haften weder die Union noch einzelne Mitgliedsstaaten für Verbindlichkeiten eines Mitgliedsstaates und treten auch nicht für dessen Verbindlichkeiten ein. Ein Bail-Out Griechenlands widerspricht dieser Klausel. Er widerspricht der Stabilitätsorientierung des Euros.
EU und Regierungen sind dafür da, Recht zu sichern und es nicht zu schleifen.

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Kommentar: Deutschland sollte die Währungsunion verlassen

Thursday, May 6. 2010
Die den Griechen abgeforderten Maßnahmen werden die Produktion vermindern, die Arbeitslosigkeit steigern und den privaten Sektor in Bankrotte treiben; damit wird das Steueraufkommen weiter vermindert; Zahlungsunfähigkeit des Staates rückt näher, nicht weiter.
Manche Deutsche scheinen zu glauben, wenn alle Staaten so funktionierten wie Deutschland, dann wäre die Welt in Ordnung. Das mag stimmen. Doch die Logik sagt, dass nicht jedes Land einen Handelsbilanzüberschuss haben kann. [...]

Innerhalb des gegebenen Rahmens gibt es nur zwei „Lösungen“ der gegenwärtigen Notlage. Entweder andauernder Geldtransfer aus den Überschuss-Ländern (de facto der deutsche Block); denn eine Einmalzahlung über drei Jahre gestreckt wird nicht reichen : Es müsste dann schon eine wiederkehrende jährliche Zahlung sein, ähnlich wie die West-Ost-Geldtransfers in Deutschland seit 1990. Die Größenordnung müsste gewaltig sein, etwa 35 bis 40 Milliarden Euro pro Jahr für Griechenland allein (und sehr viel mehr, wenn andere Länder ähnliche Hilfen bekämen). Deutschlands Wirtschaft und Finanzen würden ruiniert. [...]

Es gibt kein geschichtliches Beispiel, wo ein Land Schwierigkeiten der griechischen Größenordnung überwinden konnte ohne Abwertung oder Bankrott, oder beides. Wenn Griechenland und andere „Club Med“ – Staaten zahlungsunfähig würden und die WWU verließen, dann hätte das gewaltige Folgen für das Bankensystem in Deutschland und anderswo. Ein spanischer Bankrott würde wahrscheinlich das deutsche Bankensystem ruinieren, das dann nationalisiert werden müsste. Die beste unter den schlechten Optionen wäre deshalb, dass der deutsche Block die WWU verließe. Deutschlands Banken müssten dann noch immer rekapitalisiert werden. Aber es wäre weniger kostspielig, dies direkt zu tun, als indirekt durch den Versuch, Griechenland zu „retten“. Wie auch immer; es gibt keinen Ausweg aus diesem Schlamassel, der nicht für die WWU-Länder und den Rest der Welt schmerzhaft wäre. [...]

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Europe's Web of Debt

Wednesday, May 5. 2010
Griechenland? Hier die Schulden anderer europäischer Staaten in einer Grafik der New York Times (2. Mai 2010)

NYTimes Grafik

Originalquelle / Artikel (in englischer Sprache)

Bravo, Frau Kanzlerin! Merkel löst Flächenbrand aus

Thursday, April 29. 2010
Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, dass epochale Ereignisse oft durch sehr banale Dinge ausgelöst werden. So könnte in zukünftigen Geschichtsbüchern stehen, dass der Funke, der den Flächenbrand auslöste, der zum Einsturz der Eurozone und später auch der Europäischen Union führte, dem wahlkampfstrategischen Geschacher in einem deutschen Bundesland entsprang.
Um nicht als zu großzügige Nachbarschaftshelferin dazustehen, spielt die deutsche Kanzlerin mit dem Feuer. Nun muss die deutsche Regierung – natürlich erst nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen – noch mehr Geld in die Hände nehmen, um einen Kollaps der Eurozone zu verhindern. Die Rechnung zahlt, wie stets, der Steuerzahler. [...] Hätten EU und IWF die Entwicklung verhindern können, die dazu führte, dass Ratingagenturen und die Märkte einem Euroland den Todesstoß versetzen können? [...]

Nach welchen Mechanismen funktioniert eigentlich die Preisfindung bei Staatsanleihen? Wer sein Geld einem Staat leiht, geht damit auch immer ein Risiko ein. Dieses Risiko ist mal klein und mal groß – es hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, mit der man sein Geld zurückbekommt. Wer dem deutschen Staat Geld leiht, ist auf der sicheren Seite – daher muss die Bundesregierung auch nur sehr geringe Risikoaufschläge zahlen. Wer dem griechischen Staat Geld leiht, verlangt – vollkommen zu Recht – einen höhere Risikoaufschlag. Da sich die Aufschläge direkt an der Liquidität eines Staates orientieren, ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass der verlangte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen steigt, wenn deutsche Politiker offen den deutschen Beitrag zum Rettungspaket in Frage stellen oder gar eine Umschuldung – was nur ein schöneres Wort für einen Staatsbankrott ist – fordern. [...]
Wenn Merkel wirklich den Euro retten und das Vertrauen der Märkte in Griechenland wiederherstellen will - wie sie stets bekundet - ist ihre Taktik im besten Falle kontraproduktiv. Das Vertrauen ist weg, der Euro steht unter Beschuss. [...]


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Spanien: 20-Prozent-Hürde bei der Arbeitslosigkeit geknackt

Wednesday, April 28. 2010
Nun hatte die Statistikbehörde INE ein Problem und stellte Daten auf die Seite, die erst am Freitag veröffentlicht werden sollten. Demnach sind in Spanien mehr als 4,61 Millionen Menschen ohne eine Stelle. Das sind gut eine Million mehr als in Deutschland bei nur halber Bevölkerung.

Damit hat die Arbeitslosenquote die Schallmauer von 20% durchbrochen, die sie nach Prognose der sozialistischen Regierung niemals hätte erreichen dürfen. Einst hatte der spanische Finanzminister befürchtet, die Quote könnte im schlimmsten Fall auf 16% steigen. Zwar hatte der ehemalige EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia auf 19% getippt, doch der Genosse in Brüssel griff zu tief. [...]

Es ist zu vermuten, dass nach dem Generalangriff auf Griechenland, das am Dienstag schon bis zu 15% Zinsen bieten musste, die Ansteckung über Portugal bald auch so richtig auf Spanien übergreifen wird, wenn den Spekulanten nicht ernsthaft begegnet wird. Zehnjährige Staatsanleihen Portugals hatten schon am Montag die Alarmgrenze von 5% überschritten und näherten sich am Dienstag einem Zinssatz von 6% schon deutlich an. Auch Portugal muss dann schon fast doppelt so hohe Zinsen wie Deutschland bezahlen, womit auch das Land in die Pleite getrieben wird. Mit der realen Lage des Landes hat das wenig zu tun. [...]

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Ein Schauspiel der Ohnmacht

Sunday, March 7. 2010
Die Hauptverursacher der Krise sind gleichzeitig deren Gewinner. Den Kampf um eine Neuordnung der Finanzbranche haben Angela Merkel und ihre Kollegen gar nicht erst angetreten [...]

Die Bändigung der Finanzindustrie zugunsten der übrigen Wirtschaft genießt höchste Priorität und die Verantwortlichen tun alles, “damit sich eine solche Krise nicht wiederholt”, wie Angela Merkel versicherte.
Doch dieses Schauspiel ist zutiefst verlogen. Tatsächlich sind Merkel, Sarkozy, Obama und ihre Mitstreiter auf diesem Weg bis heute keinen Schritt vorangekommen. Der moralische Protz ihrer Versprechungen steht im umgekehrten Verhältnis zu den tatsächlich ergriffenen Maßnahmen und verstellt den Blick auf ein Politikversagen, dass eher früher als später das ganze Netz der globalisierten Wirtschaft zu zerreißen droht. [...]

Mindestens 100 Millionen Menschen haben deswegen weltweit ihre Arbeit verloren. Der wirtschaftliche Schaden ist größer, als der Gesamtwert aller in den USA produzierten Güter und Dienstleistungen eines Jahres und die Staatsverschuldung wird nun ihrerseits zur Bedrohung.

Trotzdem wurde bis heute keiner der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil: Die Hauptverursacher der Krise sind nun sogar die Gewinner und schanzen sich schon wieder zweistellige Millionengehälter zu. Und immer sichtbarer wird, dass die Fehlentwicklung der globalisierten Finanzwelt einer kleinen Clique aus den Führungsetagen von etwa 15 globalen Finanzkonzernen eine Macht in die Hände gespielt hat, die sich jeder demokratischen Kontrolle entzieht.

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Wirtschaftskrise: neue Runde?

Friday, March 5. 2010
zum Jahreswechsel bestand noch viel Grund zur Fröhlichkeit. Die Krise schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Das Wachstum war zurückgekehrt. Angeführt von den USA, deren Wirtschaft im vierten Quartal 2009 aufs Jahr gerechnet um fast sechs Prozent zulegte, ging es den Industrieländern besser als erwartet. Und von Brasilien bis Indien boomten die Schwellenländer samt ihrer Börsen.

In Wahrheit tut diese Krise jedoch nur, was man schon von ihr kennt: Sie zeigt neue Gesichter. Mit Griechenland ist nicht bloß ein EU-Staat vom Bankrott bedroht, auch die gemeinsame europäische Währung steht unter Druck – was übrigens erklärt, warum der Dollarkurs auf einmal steigt. [...]

Das Ende kennt niemand, doch auf Jahre hinaus müssen wir mit zwei großen Risiken leben. Nummer eins: Den Staaten geht der Atem zu früh aus, der Aufschwung bricht ab, und der Westen versinkt so wie einst Japan in der großen Stagnation. Nummer zwei: Die Staaten halten durch, die große Geldmaschine läuft wieder an, und weil die Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, kommt es zu einer gewaltigen Inflation. [...]

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In China bahnt sich ein gewaltiger Crash an

Friday, January 22. 2010
Die Chinesen prahlen mit ihrem Wirtschaftswachstum, Funktionäre erklären die Finanzkrise für beendet. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass China den Höhepunkt einer Spekulationsmanie erreicht hat – und eine Bruchlandung erlebt. Falls das passiert, wird das Riesenreich den Rest der Welt mit nach unten reißen. [...]

Wie Dubai vor zwei Jahren, erreicht China heute den Höhepunkt einer Spekulationsmanie. Auf den ersten Blick gibt es nicht viel, das einen winzigen Stadtstaat mit einem Reich von der Größe eines Kontinents verbindet. Doch beide leiden unter derselben Über-Dehnung.

Das auf Exporten basierende Wirtschaftsmodell Chinas zeitigte in der Ära nach dem Ende des Kalten Krieges ein spektakuläres Wachstum. Es war die Ära der nicht enden wollenden Globalisierung und der ökonomischen Entwicklung. Jetzt aber stagniert der Welthandel, nachdem er vergangenes Jahr abgestürzt ist. Die chinesischen Ausfuhren sind 2009 um 16 Prozent eingebrochen, und es besteht wenig Aussicht, dass sich der Export dieses Jahr nachhaltig erholt. [...]

Chinas Spitzenfunktionäre, die an den Schalthebeln einer staatlich gelenkten Wirtschaft sitzen, waren für ihre Fähigkeit bekannt, Probleme zu vertagen. Aber die Probleme, vor denen sie stehen, sind mit der Zeit immer größer geworden. Der Grund dafür ist, dass die Regierung alles auf die Karte Wachstum gesetzt hat statt den Strukturwandel voranzubringen. Sobald diese Wachstumspolitik nicht mehr greift – und das wird bald der Fall sein – wird China zum nächsten Dubai werden. Nur viel größer.

Quelle: 2010 Global Viewpoint Network/Tribune Media Services
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Exporte und Dollarkurs: Drückende Last

Wednesday, December 9. 2009
Die US-Währung verliert seit Jahren an Wert, die deutsche Industrie zieht die Notbremse: Sie verlagert Produktion und Arbeitsplätze in den Dollar-Raum. [...]

Der Kurs der amerikanischen Währung macht der gesamten deutschen Exportwirtschaft schwer zu schaffen. Neben der Autoindustrie können auch Airbus, ThyssenKrupp und die Maschinenbauer ihre Produkte immer schlechter in den USA verkaufen. Sie können die Preise nicht erhöhen, um den Kursverlust auszugleichen. Ihre Waren wären dann zu teuer. Sie können die Preise aber auch nicht beibehalten. Sie würden dann mit Verlusten verkaufen.

Lange Zeit versuchten die Unternehmen, sich mit Kurssicherungsgeschäften vor dem Fall der US-Währung zu schützen. Dabei sichern sie sich für eine Gebühr ein garantiertes Umtauschverhältnis zwischen Dollar und Euro. Diese Verträge laufen meist ein oder zwei Jahre. Sie helfen bei einem kurzfristigen Einbruch der Währung. Gegen einen dauerhaften Absturz aber schützen die Devisengeschäfte nicht. Deshalb bietet sich deutschen Autoherstellern, Stahlkonzernen oder Maschinenbauern nur ein Ausweg: Sie verlagern Teile ihrer Fertigung in den Dollar-Raum. [...]

Das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaftskraft ist nachhaltig gestört angesichts zweistelliger Arbeitslosenraten, eines angeschlagenen Bankensektors und einer sprunghaft wachsenden Staatsverschuldung. Da ist es nur folgerichtig, dass der Dollar abstürzt. Der Wert einer Währung spiegelt stets auch die Stärke - oder Schwäche - seiner Volkswirtschaft wider.

Zugleich aber ist der Verfall des Dollar auch Folge eines Anpassungsprozesses, den die Weltwirtschaft gerade durchläuft: Das alte symbiotische System - Amerika konsumiert, Fernost finanziert - ist seit der Finanzkrise erschüttert. Die globale Wirtschaft drängt in ein neues Gleichgewicht und nutzt dafür die Wechselkurse als Hebel. [...]

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Dubai: Platzende Immobilienblase

Saturday, November 28. 2009
Eigentlich sollte ja alles längst vorbei sein, doch nun schickt ausgerechnet der Ölstaat Dubai Schockwellen um die Welt. Die Börsen in Asien werden schon von den ersten Panikattacken erfasst und der Nikkei-Index rutschte in Tokio auf ein Vier-Monats-Tief. Die Zweifel daran, ob Dubai überhaupt noch zahlungsfähig ist, hatte bereits am Donnerstag an den europäischen Aktienmärkten für deutliche Abschläge gesorgt. [...]

Eigentlich hatte niemand erwartet, dass der Staat Dubai ein solches Unternehmen fallen lässt. Doch die staatliche Investmentgesellschaft Dubai World sitzt auf enormen Schulden. Bisher kursieren Zahlen in einer Größenordnung von 20 Milliarden US-Dollar. Da das aber keine enorm hohen Summen sind, in der Krise hat man ganz andere Kaliber um die Ohren gehauen bekommen, mehren sich die Stimmen, die glauben, dass das Emirat schlicht Pleite ist und sich in die Liste hinter Island einreiht. Die 20 Milliarden machen nur ein Viertel der 80 Milliarden Dollar Schulden Dubais aus. [...]

Im Überschwang der Boomjahre wurde auch in Dubai massiv auf Pump investiert und auf das leichte Geld am Immobilienmarkt gesetzt. Doch dort sind nun nur noch Miese einzufahren. Die Immobilienpreise haben sich schon halbiert und viele Projekte sind bei weitem nicht mehr das Geld wert, das Banken zur Finanzierung hergegeben haben.
Erwartet wird nun ein Dominoeffekt. Die Banken der Golfregion stellen sich mit Blick auf die Probleme in Dubai schon auf massive Abschreibungen ein. [...]

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