Allawi rechnet mit Krieg gegen den Iran

Sunday, August 29. 2010
Iraks Ex-Ministerpräsident Ijad Allawi sieht kaum Chancen für eine friedliche Lösung des Atomkonflikts mit dem Iran. Es werde darüber „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ zu einem Krieg kommen, sagte Allawi in einem „Spiegel“-Interview. Überall in der Region und auch in Amerika herrsche Angst.
„Wir steuern auf eine Lage zu, die beinahe der Kuba-Krise vom Oktober 1962 gleicht. Wie ein riesiges Tuch spannt sich die Angst über uns aus.“ [...]


Zugleich kritisierte Allawi, einer der Anwärter auf den Posten des Regierungschefs im Irak, das Vorgehen westlicher Länder in der Region. „Die Politik des Westens ist falsch“, sagte er. Die USA, die Nato und die europäischen Staaten müssten ihre Strategie für die gesamte Region, von Zentralasien bis zum Nahen Osten, überdenken. So zeige das Beispiel Afghanistan, dass die Taliban nicht etwa besiegt, sondern ihre Kämpfer und die radikal-islamische Al-Kaida nur stärker geworden seien. [...]

Der Abzug der US-Truppen sei politisch wichtig. Aber es seien keine politischen Grundlagen gelegt und keine irakischen Streitkräfte aufgebaut worden, die „die Verantwortung auch wirklich schultern können“. Der Irak sei zudem „an einem Punkt angekommen, an dem niemand niemandem mehr traut und die Zukunft des Landes sowie die der ganzen Region auf dem Spiel steht“. [...]

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Die unbequeme Wahrheit des endlichen Öls

Wednesday, July 21. 2010
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat eine unbequeme Wahrheit ins Gedächtnis zurückgerufen: Die Ölreserven der Welt sind endlich und werden eines Tages zur Neige gehen. In Deutschland hat seit der Explosion der BP-Ölplattform kein Politiker der ersten Reihe den Tabu-Begriff Peak Oil in den Mund genommen. Peak Oil bedeutet, dass das globale Fördermaximum überschritten ist und die Förderung damit aufwendiger und teurer wird und die Umwelt noch stärker belastet. Im Falle BPs scheint die einheimische Politik zu denken: Es ist ja nicht unser Öl, das da in den Golf sprudelt!

Doch die schöne Illusion, wir in Europa hätten mit dem Golf-Desaster nichts zu tun, könnte sich bald als Irrtum herausstellen. Den Weltölmarkt kann man sich wie ein großes Fass Öl vorstellen, in das alle Förderquellen hineinpumpen und aus dem alle Verbraucherländer ihren Bedarf abzapfen. Wenn nun die Ölförderung der USA wegen der allzu berechtigten Bedenken gegen immer tiefere Ölbohrungen im Meer nicht weiter zunehmen, sondern abnehmen wird, weil die vorhandenen Quellen ihr Fördermaximum überschritten haben, dann wird der Effekt auch in Deutschland an den Zapfsäulen der Tankstellen ablesbar sein. [...]

Auch die globale Finanzkrise deutet auf das Nahen von Peak Oil hin. Während die Ökonomen noch zu verstehen versuchen, warum das aus ihrer Sicht völlig rational funktionierende Weltfinanzsystem an den Rand des Kollapses geraten konnte, und dabei einige axiomatische Grundlagen ihrer Disziplin infrage stellen, gehen nur wenige so weit, den drastischen Ölpreisanstieg im Jahr zuvor dafür verantwortlich zu machen. [...] Sobald die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, und das sollen ja die Konjunkturprogramme aller Regierungen bewirken, ist mit einem erneuten Anstieg der Ölpreise zu rechnen, zumal auch die eigentlich notwendigen Investitionen in Exploration und Erschließung neuer Ölfelder von der Rezession in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Möglicherweise wird es keine markante Spitze (Peak) bei der Ölförderung geben, sondern eher ein welliges Plateau, auf dem die weltwirtschaftliche Konjunktur mit mehrfachen Einbrüchen und Wiederbelebungen den Ölpreis abwechselnd nach oben treiben und wieder absacken lassen wird. In der Phase wird auch die Debatte um Peak Oil anhalten, bis dann in zehn oder zwanzig Jahren die nicht mehr zu leugnenden geologischen Tatsachen den blinden Glauben an grenzenloses Wachstum erschüttern werden. [...]

Jetzt wird allenthalben auf eine Green Economy gesetzt, so, als müsse man nur ganz fest daran glauben, dass die Forscher und Ingenieure weltweit genau zum richtigen Zeitpunkt alternative Energien zur Marktreife bringen werden, die ähnlich fungibel sind wie Erdöl, damit die Menschen in den alten Industrieländern nicht Abschied von ihren gewohnten Lebensformen nehmen und die Mittelschichten in den neuen Industrieländern nicht ihre Hoffnung auf vergleichbaren Wohlstand begraben müssen. Doch beim Übergang von der fossilen Industriegesellschaft zu einer nach-fossilen oder solaren Industriegesellschaft wird es Friktionen und Konflikte geben, vielleicht sogar eine längere Übergangsphase, in der die radikalen Strukturbrüche von langwierigen weltwirtschaftlichen Krisen begleitet werden, bevor sich das neue Zeitalter Bahn bricht. [...]

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Klare Sicht für einen Schlag der USA gegen Iran

Tuesday, July 6. 2010
Victor Kotsev ist freier Journalist und politischer Analyst mit Schwerpunkt Mittlerer Osten. Am 3. Juli veröffentlichte er untenstehend übersetzten Artikel in der »Asia Times«. Wir wollen unseren Lesern diese Analyse und Einschätzung nicht vorenthalten. In den bundesdeutschen Medien wird das bedrohliche Szenario des möglichen dritten Weltkrieges – der sich gerade vor unseren Augen entwickelt – überhaupt nicht analysiert und erörtert. Allerdings ist die entspannte »so-schlimm-wird’s-schon-nicht«-Haltung des Herrn Kotsev anscheinend von einer verblüffenden Naivität.
Man sollte aber bedenken, wo dieser Artikel erscheint: Die »Asia Times« ist die Online-Ausgabe einer chinesischen Zeitung. Die Vermutung liegt nahe, dass durch diesen Artikel eine dringende Empfehlung der Chinesen an die Amerikaner ergeht, den möglicherweise anstehenden Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Ansonsten könnte nicht nur Rußland sich gezwungen sehen, rigoros dazwischen zu gehen.


Die Kriegstrommeln im Mittleren Osten dröhnen. In kürzester Zeit haben die USA die Anzahl ihrer Flugzeugträgerkampfgruppen vor der Küste des Irans auf drei erhöht. Es wimmelt nur so von Berichten, der Ring von amerikanischen und israelischen Truppenkonzentration um die islamische Republik ziehe sich immer enger zusammen.
Auf der diplomatischen Front sind die Israelis ungewöhnlich besorgt um ihr internationales Ansehen – zum Beispiel machen sie nun Konzessionen in Gaza. Derweil pendeln ihre Spitzenpolitiker – einschließlich Verteidigungsminister Ehud Barak und Premierminister Benjamin Netanjahu selbst – hektisch zwischen Jerusalem und Washington hin und her.
Jeder in der Region ist unruhig. Die Türkei vollführt spektakuläre diplomatische Pirouetten, in Ägypten brodelt es leise, in Saudi Arabien weniger leise. Der jordanische König sah im Frühjahr angsterfüllt einen Krieg heraufziehen, wenn bis zum Sommer kein Frieden erreicht werden könne, und der Sommer ist nun gekommen.
Syrien und der Libanon igeln sich vor einem heraufziehenden Sturm ein. Im Jemen herrscht Chaos. Russland, China, Indien und ein paar andere Mächte kabbeln sich darum, aus dem ganzen Aufruhr das Beste für sich herauszuholen. Das Regime des Iran selbst scheint sich für einen Kampf in die Schützengräben einzugraben.

Allem Anschein nach kommt die Katastrophe auf uns zu. Dem Analysten Tony Badran zufolge ist die Situation »wohl die gleiche, die unmittelbar vor dem Israelisch-Arabischen Krieg 1967 herrschte«. Es gibt auch sehr detaillierte Analysen der technischen Einzelheiten eines israelischen Schlags gegen den Iran [...]

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Die Türkei wäre das ärmste und größte EU-Land

Tuesday, March 30. 2010
Es ist merkwürdig, in welch akademischer Abgeklärtheit über den Beitritt der Türkei in die Europäische Union gesprochen wird. Fast scheint es, als bewürbe sich ein muslimisches Luxemburg bei der europäischen Weltmacht um die Mitgliedschaft im Klub der Großen. Dabei ist es umgekehrt: Eine Riese begehrt Aufnahme im Verein alternder Zwerge! Oder anders formuliert: Wer die EU zerstören will, der soll die Aufnahme der Türkei nur weiter betreiben. Sechs Gründe, warum wir dies mit Leidenschaft verhindern sollten:

Wäre die Türkei schon heute EU-Mitglied, wäre sie bereits jetzt mit rund 76 Millionen Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten der Gemeinschaft. Zwischen 2000 und 2007 wuchs die Bevölkerung der EU um kümmerliche 2,6, die der Türkei dagegen um gut neun Prozent. Geht es so weiter, wird die Türkei in der Mitte des Jahrhunderts mehr Einwohner als Frankreich und Deutschland zusammen haben. Damit wäre das EU-Mitglied Türkei auch das politisch einflussreichste Land innerhalb der Europäischen Union. [...]

Experten haben errechnet, dass der Beitritt der Türkei weitaus teurer wäre als die Aufnahme aller zehn Staaten zusammen, die 2004 in den Klub eintraten. Nimmt man an, dass Ankara genauso behandelt werden würde wie jene zehn, hätte es Anspruch auf über 45 Milliarden Euro! Könnten wir das zahlen? Wohl kaum. Wahrscheinlich würde diese Summe allerdings zu den geringeren Sorgen der alteingesessenen EU-Mitglieder gehören.

Sie hätten andere Sorgen, angesichts der drohenden Völkerwanderung. In der Europäischen Union herrscht das Prinzip der Freizügigkeit. Jeder darf dort hinziehen, wo es ihm behagt. Das würde auch für die Türken gelten. Experten fürchten, dass bis zu drei Millionen Türken gen Nordwesten zögen. Bereits jetzt leben etwa 15 Millionen Moslems in der EU, allein in Deutschland 2,5 Millionen Türken. Von einigen Ausnahmen abgesehen, ist ihre Integration gescheitert. [...]

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Asien koppelt sich von der alten Welt ab

Thursday, February 25. 2010
Während hierzulande und auch jenseits des Atlantiks – von der EU-Peripherie gar nicht zu reden – die Wirtschaft vor sich hin kriecht und nicht so recht aus dem tiefen Konjunkturtal herauskommen will, kommen aus Japan, dem Land, das zwei Jahrzehnte im ökonomischen Tiefschlaf verbrachte, erstaunliche Nachrichten: Im zweiten Monat in Folge sind die Exporte gewachsen, nachdem es zuvor 15 Monate nur bergab ging. Im Dezember gab es ein Plus von 12 Prozent und im Januar gar eines von 40,9 Prozent, beide Angaben im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.

Besonders die Exporte in die benachbarten asiatischen Länder haben zugelegt, und zwar um zwei Drittel. “Die boomende Nachfrage in Asien unterstützt weiter die Erholung der japanischen Exporte”, zitiert Business Week den japanischen Ökonomen Hideki Matsumura. Die Zeitung weist allerdings auch darauf hin, dass die Erholung immer noch auf wackeligen Füßen steht. Schwache Inlandsnachfrage, Deflationstendenzen und ein starker Yen bedrohten sie. Dass die Warnungen nicht unbegründet sind, zeigte die Entwicklung an der Tokyoter Börse am Donnerstag, wo die Kurse trotz der guten Nachrichten absackten. Insbesondere die Titel von Exporteuren verloren, weil die Börsianer durch einen hohen Yen-Kurs verunsichert waren.

Interessant an der Entwicklung ist jedoch, dass Asien sich zunehmend von Europa und Nordamerika abzukoppeln zu scheint. Nicht dass Beziehungen abgebrochen oder vernachlässigt würden, aber der innerasiatische Handel hat für viele Länder inzwischen eine größere Bedeutung als der Warenaustausch mit den alten Zentren der Weltwirtschaft. Das war vor zehn Jahren noch ganz anders. China ist zum Beispiel 2009 zum wichtigsten Handelspartner Japans aufgestiegen. [...]

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China und die Kunst des Wirtschaftskrieges

Monday, January 25. 2010
Mithin drängt sich der Eindruck auf, als ob man sich in Peking noch immer von den alten chinesischen Militärklassikern inspirieren ließe. Jene Werke von Tai Kung, Wei Liao Tzu und Sun Tzu, die vor hunderten von Jahren geschrieben wurden, bestechen dadurch, dass sie den Gegner eher durch Flexibilität, Schnelligkeit, Agententätigkeit und einem Minimum an offenem Kampf zu besiegen trachten. Statt sich durch ein großes Militäraufgebot wie das der USA beispielsweise in Afghanistan zu binden, nutzt China seine Beweglichkeit, und macht damit aus der Schwäche eine Tugend. [...]

Chinas Antwort ist, dass es den USA die offenen, blutigen Konflikte überlässt; es selber verlagert sich auf die wirtschaftliche Kriegsführung in deren Windschatten. Dabei nutzt es aus, dass sich die USA mit ihrem globalen „Krieg gegen den Terror“ allseits unbeliebt machen. Im Fokus der chinesischen Handlungen steht die Strategie, sich vor allem dort gut Freund zu machen, wo es um Öl geht. Da der amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ im Großen und Ganzen ein Öl-Krieg ist – oder jedenfalls dort stattfindet, wo das Öl nicht weit zu suchen werden braucht –, fällt beides für die Chinesen derzeit ideal in Eins. [...]

Bloomberg: “Das Land sei bestrebt, die Ölversorgung zu diversifizieren. Zugang zu Vorkommen im Nahen Osten und in Afrika werden ohne Zweifel die Energiesicherheit verbessern, sagte Jiang Xinmin, Energieexperte bei der Nationalen Kommission für Planung und Entwicklung, der obersten Planungsbehörde in Peking.” Darüber unterschreibt China langfristige Verträge im Iran, wie beispielsweise durch die China National Petroleum Company, die für 5 Milliarden US-Dollar Förderrechte im South Pars-Erdgasfeld erwarb. [...]

Michael Wines stellt für die New York Times diesbezüglich fest: “While the United States spends hundreds of billions of dollars fighting the Taliban and Al Qaeda here, China is securing raw material for its voracious economy. The world’s superpower is focused on security. Its fastest rising competitor concentrates on commerce.” [...]
Bill Murphy, Vorsitzender des Gold Anti-Trust Action Committee, schätzte das chinesische Engagement auf dem Goldmarkt wie folgt ein, als er von MMNews dazu befragt wurde: “According to my sources, China will be in the market for years to come and will be buying in size and as quietly as possible.” [...]

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Ein Klecks im Vergleich zu den Kriegsausgaben

Friday, January 15. 2010
Die Welt kann, wenn sie will, selbst in Zeiten der Finanzkrise. Sie kann eine vereinte Rettungsaktion starten, zumindest versucht sie es. Geld spielt plötzlich keine Rolle mehr. Fast keine. Die ganz großen Nummern der Weltpolitik sind nach wie vor unendlich viel teurer:

Der Krieg im Irak kostet im Monat noch immer ungefähr zwölf Milliarden Dollar, der Krieg in Afghanistan 3,5 Milliarden.

Daran erinnerte erst vor kurzem der Chef der UN-Mission in Haiti, der Tunesier Hédi Annabi, der nun in den Trümmern seines Büros starb. Die Kriegsausgaben für einen einzigen Monat würden genügen, um Haiti nachhaltig zu helfen, hatte er gesagt - und um mehr Sponsoren, Spender und Investoren geworben. [...]

Barack Obama verspricht [...für Haiti...] 100 Millionen Dollar.

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Jemen: Tummelplatz für Al Qaida oder geopolitischer Engpass für Eurasien?

Tuesday, January 12. 2010
Die Weltöffentlichkeit wird auf ein neues Ziel für den »Krieg gegen den Terror« der USA vorbereitet: Jemen, ein trostloser Staat auf der arabischen Halbinsel. Sieht man sich jedoch den Hintergrund etwas genauer an, dann scheint es, als verfolgten das Pentagon und der US-Geheimdienst im Jemen ganz andere Pläne. [...]

Der 23-jährige Nigerianer Abdulmutallab, dem der vereitelte Bombenanschlag zur Last gelegt wird, hat angeblich erzählt, er sei von der »al Qaida auf der Arabischen Halbinsel« (AQAP) im Jemen auf seine Mission vorbereitet worden. Dementsprechend richtet sich nun die Aufmerksamkeit der Welt auf den Jemen als neues Zentrum der angeblichen Terrororganisation al Qaida. [...]

Während die Schlagzeilen in CNN von der neuen Bedrohung durch Terrorismus aus dem Jemen beherrscht werden, haben die Angriffe somalischer Piraten auf die Handelsschifffahrt im Golf von Aden und dem Arabischen Meer – also genau der Region südlich des Jemen – wie auf Kommando wieder drastisch zugenommen, nachdem sie durch die internationalen Patrouillen zunächst stark eingedämmt worden waren.
Der Jemen und Somalia sind die beiden Backen einer Zange, die die Ölversorgung für China und andere asiatische Länder abschneiden könnte. [...]

Die strategische Bedeutung des Seegebiets zwischen dem Jemen und Somalia ist auch aus geopolitischer Sicht erkennbar. Die Meerenge Bab el-Mandeb wird von der US-Regierung zu den sieben strategisch wichtigen Engpässen für den Öltransport gezählt. Nach Aussage der staatlichen amerikanischen Energy Information Agency »könnten Tanker nach einer Schließung von Bab el-Mandeb den Komplex Suezkanal/Sumed Pipeline nicht mehr erreichen und müssten den Umweg um die südliche Spitze von Afrika nehmen. Die Meerenge Bab el-Mandeb stellt einen Engpass zwischen dem Horn von Afrika und dem Nahen Osten und eine strategisch wichtige Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean dar.« [...]

Ein Vorwand für eine Militarisierung der Gewässer in der Umgebung von Bab el-Mandeb durch die USA oder die NATO brächte Washington seinem Ziel der Kontrolle über aller sieben großen Engpässe für den Öltransport auf der Welt ein gutes Stück näher. Dadurch könnten die USA in Zukunft China, die EU und jede andere Region oder jedes Land, das sich der amerikanischen Politik in den Weg stellt, von der Ölversorgung abschneiden.

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Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird

Friday, January 8. 2010
Trotz der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion über den Zeitpunkt der sinkenden Erdölförderung wird das Thema politisch verdrängt oder verschwiegen. [...]

Das hat Shane Mulligan von der University of Waterloo zu einer Analyse veranlasst, warum dieses Thema so weitgehend ignoriert wird. Angesichts der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion, könne die offizielle Ignoranz kaum mit purer Ahnungslosigkeit begründet werden. Das jedenfalls nicht in den höheren politischen Rängen, denn dafür sei die Peak-Oil-Debatte schon zu weit in den Mainstream vorgedrungen, meint Mulligan, der gerade an einem Buch über die Sicherheitsaspekte von Peak-Oil schreibt. Er vermutet daher, dass viele Regierungsexperten an übermäßigem Training in neoklassischer Ökonomie leiden und schlicht davon ausgehen, dass die Marktmechanismen schon für den Ausgleich sorgen, d.h. höhere Preise zu mehr Exploration und Förderung, sowie zur Entwicklung von Substituten führen werden.

Vielleicht grassiere aber auch einfach eine Art von “kognitiver Dissonanz”, welche die Administrationen weltweit davon abhalte, diesen potentiell so problematischen Bereich anzugehen, so wie viele Menschen auch nicht gerne über den eigenen Tod nachdenken. Viel lieber werde dann dem Glauben an technische Lösungen gehuldigt, die bei Bedarf schon gefunden würden. Zudem hätten Regierungen generell die Tendenz, schlechte Nachrichten zu unterdrücken. [...]

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Klimagipfel: China präsentiert sich als neue Weltmacht

Sunday, December 20. 2009
China ist eine uralte Macht und Chinesen kennen sich mit Herrschaftssymbolen aus. Aber selbst für einen Staat wie China war es eine ungewöhnliche Machtdemonstration. Ministerpräsident Wen Jiabao residierte in einem Hotel außerhalb des Konferenzzentrums.
Zweimal musste US-Präsident Barack Obama, der immer noch gern als der mächtigste Mann der Welt bezeichnet wird, am Freitag das Bella Center verlassen und bei Wen vorsprechen, um den Klimagipfel irgendwie zu retten. Beim zweiten Mal ließ Wen Obama sogar warten, nach Angaben aus internationalen Verhandlungskreisen über eine halbe Stunde. [...]

Je mächtiger sie wirtschaftlich wurden, umso mehr drängte der Westen China, sich auch für andere Themen mit verantwortlich zu fühlen. Auch Merkel versuchte in ihren Gesprächen mit Wen und Staatspräsident Hu Jintao immer wieder, Chinas Führung nicht nur beim Thema Klima von einer aktiveren Rolle zu überzeugen.
China hat das ernst genommen, aber nicht ganz so, wie sich das viele im Westen vorgestellt haben. Seit einigen Jahren nutzt China seine alten Kontakte zur rund 130 Staaten umfassenden Gruppe der G77, also der Entwicklungsländer, um weltweit Verbündete zu haben.

Viele afrikanische Staaten hängen inzwischen an chinesischer Entwicklungshilfe. Europäische Diplomaten sind überzeugt, dass die harten Interventionen Sudans gegen die dänische Leitung der Klimakonferenz von China gesteuert wurden. China macht jetzt das, was die USA und die Sowjetunion in den 60er, 70er und 80er Jahren betrieben haben - Vasallen um sich sammeln. Dabei ist China kein Entwicklungsland mehr. [...]

China ist seit Kopenhagen endgültig nicht nur Großmacht, sondern Weltmacht. Der Einfluss der restlichen Welt auf Weltmächte ist beschränkt, das haben die USA lange genug vorgemacht. Ausgerechnet jetzt, wo die USA unter Obama die multipolare Welt akzeptiert haben, tritt eine neue Weltmacht auf den Plan, die nach ihren eigenen Regeln spielen will. [...]

Gipfel-Analyse: Chimerica gegen den Rest der Welt

Thursday, December 17. 2009
China vs. USA: Das scheint das zentrale Duell auf dem Gipfel von Kopenhagen zu sein. Die Großmächte beschuldigen sich gegenseitig, zu wenig gegen den Klimakollaps zu unternehmen. Der Konflikt blockiert die Konferenz - und das kommt in Wahrheit beiden Staaten sehr gelegen. Bilden sie eine heimliche Achse? [...]

Wirtschaftlich gesehen sind China und die USA in den vergangenen Jahren weitgehend zu einem fast untrennbaren Bund verschmolzen. Der Historiker Niall Ferguson und der Berliner Ökonomen Moritz Schularick haben das Gebilde “Chimerica” genannt. Die Ökonomien der beiden Länder sind so verwoben, dass Nachteile für den einen auch Nachteile für den anderen sind.

China versorgt die USA mit billigen Produkten und mit unbegrenzten Krediten. Es ist nicht nur die Werkbank der USA, sondern auch die Bank der USA.
Die USA wiederum bieten China einen riesigen Absatzmarkt und versorgen sie mit Zinszahlungen. Hätte China nach der Finanzkrise den USA neue Kredite verwehrt, wären die USA im Chaos versunken.
Auch wenn Hunderttausende US-Jobs nach China abgewandert sind, haben die USA kein Interesse daran, dass der rasche ökonomische Aufstieg Chinas Schaden nimmt. Denn das würde die eigene Kreditpumpe gefährden.
Umgekehrt haben die Chinesen kein Interesse daran, dass die USA wirtschaftlich schwächeln - indem sie ihre CO2-Emissionen kurzfristig drosseln. [...]

China wie die USA befeuern ihre Volkswirtschaften zum allergrößten Teil mit Kohle und Öl. Die USA unterhalten ihre gigantische globale Militärinfrastruktur auch deshalb, um ihre Ölversorgung zu garantieren.

Bei aller grünen Rhetorik sowohl der chinesischen als auch der US-Führung bleiben fossile Brennstoffe die Grundlage des industriell-militärischen Machtanspruchs. Völkerrechtlich bindende Zusagen, ihren Verbrauch einzuschränken, schränken in dieser Logik auch den Machtradius ein. Die Interessen von Wüsten-, Insel- und Küstenstaaten, für die der Klimawandel eine akute Bedrohung ist, sind aus diesem Blickwinkel nachrangig.

Obwohl es an der Oberfläche anders aussieht, ist die eigentliche Konstellation auf dem Klimagipfel also womöglich nicht: China gegen die USA.
Sondern: Chimerica gegen den Rest der Welt.
Anders ausgedrückt: G2 gegen G190.

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IEA-Chefökonom: "Peak Oil" kommt 2020

Friday, December 11. 2009
Der Begriff “Peak Oil” war bisher nur außerhalb des offiziellen Mainstream ein Thema. Kritiker der globalen Wirtschaftsverfassung monieren schon lange und recht lautstark, dass der unglaubliche Aufschwung der westlichen Industriestaaten (zu dessen Kernelementen die Motorisierung der Massen gehört) in den letzten hundert Jahren vor allem auf der Ausbeutung von Erdölreserven basiert, die zwangsläufig endlich sind. [...]

So plausibel derartige Befürchtungen auch sind, so sehr wurden sie von den offiziellen Institutionen bisher aber ignoriert und in den Bereich der Verschwörungstheorien verwiesen (Spielt die Internationale Energieagentur “Peak Oil” herunter?). Jetzt hat laut Economist aber auch Fatih Birol, der Chefökonmom der IEA, der meistrespektierten internationalen Agentur für Energiefragen, das Maximum der “konventionellen Erdölproduktion” mit 2020 angegeben, was fast so etwas wie einen Paradigmenwechsel darstellt.

Sollten die Klimaschutzmaßnahmen nicht zu einem weltweiten Abgehen von der Ölwirtschaft führen, hätte „Peak Oil“ jedenfalls dramatische Folgen für den Ölpreis und die Weltkonjunktur, ganz zu schweigen davon, dass auch die gesamte Kunststoffchemie weitgehend vom Rohöl abhängt.

Das globale Produktionssystem innerhalb von zehn Jahren auf “Peak Oil” einzustellen, dürfte massive Anstrengungen verlangen, die global koordiniert werden müssten. Insofern dürfte die Warnung der IEA nicht ganz zufällig während des laufenden Klimagipfels erfolgt sein

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Vor dem Klima-Gipfel

Wednesday, December 2. 2009
Nächste Woche ist es so weit, dann beginnt in Kopenhagen der diesjährige UN-Klimagipfel. Zwei Wochen werden Vertreter so ziemlich aller Länder miteinander über die Fortschreibung der Klimaschutzverträge verhandeln. Über 85 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt. Das ist ungewöhnlich, denn normaler Weise wird auf der Ministerebene verhandelt. Die erste Woche gehört den Beamten, die Minister treffen dann ab dem Montag oder Dienstag der zweiten Woche ein, wenn die Gespräche in die heiße Phase gehen. [...]

US-Präsident Barack Obama will ebenfalls in die dänische Hauptstadt kommen. Allerdings wird er nur in der ersten Woche für einen Tag an der Konferenz teilnehmen, was nicht viel Sinn macht. Dies hat nur eine gewisse symbolische Bedeutung. [...] Im Grunde ist dieser Abstecher nicht mehr als eine leere Geste. Obamas Amtskollegen werden erst eine Woche später vorbeikommen, und seine Hände werden leer sein: Um 17 Prozent will Obama bis 2020 die US-Emissionen gegenüber 2005 senken. Das hört sich nach viel an, ist aber gemessen an dem, was notwendig wäre, ziemlich wenig. 2005 haben die USA 5,9 Milliarden Tonnen CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger und der Zementproduktion emittiert, wie ein internationaler Vergleich zeigt. Eine Minderung um 17 Prozent würden sie gerade auf das Niveau von 1990 zurückbringen, als sie 4,9 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen haben. Laut UN-Klimarahmenkonvention hätte dieses Ziel schon im Jahre 2000 erreicht sein sollen.

Vor diesem Hintergrund hat Dänemarks Premier Lars Løkke Rasmussen letzte Woche auf dem Gipfel der Commonwealth-Staaten in Trinidad y Tobago elegant den Bogen zu einer Vertagung der Verhandlungen geschlagen. [...]

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Welthunger: Heute schon gegessen?

Monday, November 16. 2009
Am 16. November nun ruft FAO-Generaldirektor Jacques Diouf erneut zum Gipfel für »Ernährungssicherheit«, und die Lage könnte dramatischer nicht sein. Gerade erst hat die Organisation bekannt gegeben, dass die Zahl der Hungernden weltweit wieder auf über eine Milliarde gestiegen ist – zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten. Dabei hatte sich die Weltgemeinschaft mit den Millenniumszielen der Vereinten Nationen feierlich darauf verpflichtet, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Betroffenen um die Hälfte zu verringern, von rund 840 Millionen Menschen auf 420 Millionen. Stattdessen: der Rückschritt. [...]

Die akute Krise war seit Langem absehbar: Steigende Energiekosten verteuerten 2008 Dünger und Pestizide. Wachsende Nachfrage aus Schwellenländern und Missernten in Australien, wo als Folge des Klimawandels ganze Regionen vertrocknen, schließlich der Boom der Biokraftstoffe verknappten das Angebot und trieben die Weltmarktpreise für Weizen, Mais und Reis in die Höhe. Die hohen Preise lockten Spekulanten an, die nach der Finanzkrise auf den Immobilienmärkten nichts gewinnen konnten. Die Folge: noch höhere Preise. Mittlerweile sind Lebensmittel auf dem Weltmarkt zwar wieder billiger, aber gerade in Entwicklungsländern bleiben sie weiterhin kaum erschwinglich. Dürren in Kenia, Fluten nie gekannten Ausmaßes in Indien als Folge des Klimawandels verschärfen die Not. Außerdem erreichen nun die Schockwellen der Wirtschaftskrise die Armen rund um den Globus. [...]

Vor allem in Südostasien, Afrika und der Karibik fielen Millionen von Kleinbauern ins Bodenlose. Fast unbemerkt. Die Weltgemeinschaft hatte sich stillschweigend an den zunehmenden Hunger gewöhnt – bis zu den Revolten im vergangenen Jahr. »Es gibt nichts Entwürdigenderes als Hunger, der von Menschenhand gemacht ist«, sprach UN-Generalsekretär Ban Ki Moon – ein Weckruf. Die Weltbank und reiche Regierungen gestehen ihre Fehler heute zähneknirschend ein. [...]

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Spielt die Internationale Energieagentur "Peak Oil" herunter?

Thursday, November 12. 2009
Der neueste Energiebericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die Erwartung der weltweiten Nachfrage nach Öl gegenüber früher aufgrund der Wirtschaftskrise ein wenig reduziert. Sie geht nun von einem jährlichen Wachstum von 1 Prozent von 85 Millionen Barrel im Jahr 2008 täglich auf 105 Millionen Barrel im Jahr 2030 aus. Das sind 24 Prozent mehr als 2008. Ein Barrel würde dann 108 USD (von 1980) kosten. Letztes Jahr erwartete man noch 106 Millionen, wenn alles so wie jetzt weiterläuft. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird auch der Stromverbrauch um 1,6 Prozent sinken.

Auf jeden Fall aber wird nach der Wirtschaftskrise wieder eine wachsende Nachfrage nach Energie einsetzen. Das Wachstum wird nach der IEA zu 90 Prozent von den Nicht-OECD-Ländern kommen, deren Anteil bei der Nachfrage von jetzt 52 auf dann 63 Prozent zunehmen wird. Allein China und Indien werden für 53 Prozent der wachsenden Nachfrage verantwortlich sein. [...]

Um Panik auf den Märkten zu verhindern, werde beispielsweise die Möglichkeit, neue Ölfelder zu finden, höher angesetzt, so dass auch in mittelfristiger Zukunft nicht mit Knappheit zu rechnen ist. Das habe ein hoher Angestellter der IEA der Zeitung berichtet, allerdings unter der Bedingung der Anonymität. Die Amerikaner würden auch das Ende der Vorherrschaft des Öls fürchten, weil sie damit auch ihre Macht, den Zugang zum Öl zu kontrollieren, schwinden würde. Das allerdings ist auch ohne Peak Oil der Fall, eher schon würde der Dollar noch stärker als Leitwährung gefährdet werden. [...]

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